Auslandsaufenthalte
Die Online-Zeitung für Hamburger Schülerinnen und Schüler Nr.1 - 2002

Kansas & Kalifornien

Kansas - Leben auf dem platten Land

Ich ging durch die "berühmte Glastür" am Topeka Airport und da war sie: meine Familie! Dazu gehörten natürlich die Eltern Shawn und Johna und die drei Kinder Kristopher ( 8 Jahre), Paige ( 3 Jahre) und Chloe ( 9 Monate). Zuerst ging es zu McDonald, um sich bei Hamburgern und Fritten etwas kennenzulernen. Da wurde ich dann gleich mit Fragen von Kris und Paige über Football, Barbies und andere Sachen bombardiert.

Zu Hause angekommen durfte ich mir dann mein Zimmer (oben oder unten im Keller) aussuchen, wobei ich fataler Weise das obere nahm, und wer kleine Kinder nebenan die Nacht hindurch schreien und weinen hört, weiß wovon ich rede! Mit Paige ging’s dann natürlich gleich zum Barbie-Spielen, schließlich muss man die erste Zeit dazu nutzen, erstmal das Vertrauen zu gewinnen.

Dann kam auch schon der erste Schock: Schon mal Barbie auf Englisch gespielt? Mit meinen wenigen Englischkenntnissen versuchte ich also meine kleine Schwester zu verstehen, die meist mit Halbsätzen und amerikanischem Slang sprach.Irgendwann hat Kris mich dann "erlöst" und führte mich im Haus und Garten herum. Er war so aufgeregt, dass er mir alles auf einmal erzählen wollte und redete und redete... Das kam mir allerdings ganz recht, da ich sowieso zu lange hätte überlegen müssen, um einen vernünftigen Satz herauszubekommen! Später spielten wir noch zusammen mit dem Football und irgendwann fiel ich todmüde ins Bett.

Die folgenden Tage lernte ich die Familie und Umgebung kennen, wobei es bei letzterer nichts Besonderes zu berichten gibt. Man stelle sich eine breite Straße mit einem Feld links und rechts vor und voilà : Das ist KANSAS! Flaches Land und kaum Bäume bzw. Büsche. Das Dorf "St. Marys" ( 2600 Einwohner) besteht aus einer Hauptstraße, ein paar Geschäften, Restaurants und einer Tankstelle, welche der Treffpunkt für alle Jugendlichen war. Dementsprechend oft hielten wir uns dort auf.

Dann fing auch die Schule schon an. Eine Nachbarin nahm mich morgens mit hin. Als ich eine große Bärenstatue erblickte, welche sich als unser Schulmaskottchen herausstellte, konnte ich mir allerdings ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

Bald hatte ich auch Freunde gefunden, mit denen ich fast jedes Wochenende in die nächst größere Stadt (Topeka) fuhr, um dort ins Kino zu gehen, zu shoppen, zu bowlen... Auch an den Unterricht hatte ich mich schnell gewöhnt, der sich allerdings als so langweilig herausstellte, dass man ein bestimmtes "Schlafschema" erkennen konnte: Zuerst senkten sich die Köpfe der letzten Reihe und so arbeitete es sich bis zur vorderen Reihe durch.

Eigentlich lief alles gut: Mein Englisch verbesserte sich, und ich fing schon nach kurzer Zeit an in Englisch zu träumen. Mit meinen neuen Geschwistern machte ich jeden Tag neue Erfahrungen, wie z.B. Chloe die Windeln zu wechseln und ihre ersten Worte und Schritte zu erleben. Paige stellte sich als sehr wild heraus, doch hatte ich es irgendwann geschafft, dass sie auf meinem Schoss einschlief (eine Sensation am Abend!). Auch mit Kris und meinem Gastvater Shawn kam ich gut zurecht. Doch leider scheiterte ich bei meiner Gastmutter Johna. Sie war sehr jung (30 Jahre) und wollte sozusagen meine beste Freundin werden. Daher wollte sie auch ständig etwas mit meinen Freunden und mir unternehmen. Allerdings war ich damit nicht so ganz einverstanden, was in Schweigen von ihrer Seite ausartete.

Aufgeben wollte ich nicht gleich, also versuchte ich jeden Tag mich mit ihr zu unterhalten. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass man das Wetter stundenlang analysieren kann! In dieser Zeit half mir meine Nachbarin Barbara, die Mutter von zwei meiner Freundinnen, sehr. Es entwickelte sich eine sehr gutes Verhältnis zwischen uns und wir unterhielten uns oft über die Probleme, die ich zu Hause hatte. Nach ein paar Wochen rauften sich meine Gastmutter und ich dann zusammen. Unsere Beziehung war zwar immer noch nicht die beste, aber immerhin kamen wir normal miteinander aus und hatten auch einige Momente, wo wir viel Spass hatten.

Insgesamt hat mir dieses Jahr in Amerika sehr viel gebracht, denn ich habe viele Leute, verschiedene Sitten und Lebenseinstellungen kennengelernt. Dass ich meine Englischkenntnisse dabei verbessert habe, war eigentlich nur nebensächlich. Auf jeden Fall habe ich viele gute und nützliche Erfahrungen gesammelt und würde es immer wieder machen!

Tanja Müller S1

American way of life

Als ich im Sommer 2000 im sonnigen Kalifornien ankam, gefiel mir sofort die freundliche und zuvorkommende Art der Amerikaner dort. Auch Fremde sprachen mich ungezwungen an, und die nur rhetorisch gestellte Frage "How are you doing?" wurde zu einem Muss beim small-talk. Es spielte keine Rolle, ob man dem Gegenüber auf Anhieb gefiel, noch ob die Klamotten "in" waren, zuerst einmal unterhielt man sich für eine Weile. Das mag oberflächlich scheinen (war es manchmal auch), doch nach so einem Antasten konnte man sich eine andere Unterhaltung suchen, oder die momentane fortführen.

Auf diese Weise habe ich viele nette Leute kennen gelernt. Warum sollte man auch schon zu Anfang über jemanden urteilen, wenn man ihn noch gar nicht kennt? Als ich dann ein Jahr später nach Deutschland zurückkehrte, schienen die meisten Leute, denen ich nur zufällig auf der Straße begegnete, schlecht gelaunt. Sie zogen Mienen, als ob die Welt unterginge. Wenn ich sie anlächelte, taten sie, als ob sie nichts gesehen hätten oder waren irritiert, als wollte ich ihnen etwa etwas verkaufen. Kaum einer erwiderte mein Lächeln. Wenn mir jemand im Supermarkt den Weg versperrte, machte er missmutig Platz, anstatt sich höflich zu entschuldigen. Höflichkeit entspannt sofort die Situation, deshalb verstehe ich nicht, warum sich manche Leute damit so schwer tun. Zu der Zeit fand ich das ziemlich nervig, jetzt bin ich wieder daran gewöhnt.

Caroline Lück, verbrachte ein Austauschjahr in Kalifornien, Los Angeles.