Hamburg, Nazionalsozialismus, Widerstand
Hamburg

Opposition und Verfolgung

Hamburger Bildungsserver

Streit zwischen HJlern und anderen Jugendgruppen

Der HJ ­ Streifendienst nahm seine Aufgabe der Überwachung von "Verwahrlosungs- und Zersetzungserscheinungen" in Eimsbüttel mit Härte wahr. "Tango-Jünglinge" oder "Swing-Heinis" wurden von den Streifendienstlern oft brutal verprügelt. Der Eimsbüttler Swing-Heini Gunter Lust erinnert sich:

"Immer wieder wurde man aus den Lokalen und Kinos herausgeholt, verprügelt und zu Wochenendarbeit verurteilt. Dies schmeckte uns gar nicht. Mich hatte die Streifen HJ eines abends, als man mich nach 22 Uhr noch auf der Straße antraf, in ein Treppenhaus gezerrt und gottjämmerlich verprügelt. Meine Freundin, die ich bei mir hatte, ließ man wieder laufen."..(...)

Solche Schlägereien hatten nichts mehr mit den harmlosen Kämpfen "Straße gegen Straße" zu tun, die die Kinder und Jugendlichen in Eimsbüttel immer einmal wieder gegeneinander austrugen und von denen viele Zeitzeugen noch heute mit Begeisterung berichten. Das war bitterer Ernst. Einige Jugendliche, die sich zur Wehr setzten, gerieten sogar in die Fänge der Gestapo. So auch die Brüder G. und K. St.

Sie gehörten zu jenen Jugendlichen, die sich gegen das anmaßende und brutale Auftreten der verhaßten Streifendienstler aktiv wehrten. G. und K. St. waren Mitglieder einer Clique von 14 bis 17jährigen Jugendlichen aus dem Luruper Weg. Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl beruhte zunächst darauf, daß sie aus derselben Wohngegend kamen, aus Arbeiterfamilien stammten und als Lehrlinge oder junge Arbeiter in derselben sozialen Lage waren. Sie spielten mit den Jungen aus der Nachbarschaft zusammen Fußball, trugen auf dem freien Platz am "Forsthaus' in der Kieler Straße auch richtige Fußball-Straßenturniere aus, standen wie andere auch mit einem Koffergrammophon an der Ecke und hörten Teddy Stauffer, zogen gemeinsam in die Windsberge' usw. Anlaß für ihre Auseinandersetzungen mit dem HJ-Streifendienst war zunächst das Verbot, nach Anbruch der Dunkelheit noch draußen zu sein. G. St. erläutert:

"Wir im Luruper Weg - wir haben uns Sachen einfach nicht gefallen lassen. Ich zum Beispiel - wenn ich jetzt um viertel noch sechs Feierabend hatte, und das ist jetzt um sechs dunkel, und in der Dunkelheit hatte unter achtzehn keiner was auf der Straße zu suchen. Da haben wir uns gegen aufgelehnt, das ging anderen auch so. Und die (SRD-ler V. B.) hoben ausgelangt und nun haben wir uns dagegen gewehrt - und dann war das Widerstand gegen die Staatsgewalt."


Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik, so schreiben Sie an Wolfgang Stanik
(c)   26.07.2007 Impressum