Feedback und Mitgestaltung


Schüler gestalten Unterricht

Präsentationsarbeiten

Auf dem ª2. SchülerInnenforum´ im November 1999 wurde ein Modell der Mitgestaltung des Unterrichts durch Schülerinnen und Schüler zur Diskussion gestellt. Manuel Sarrazin aus dem Vorstand der SchülerInnenkammer Hamburg stellt das Modell vor und berichtet von einer Erprobung im Deutschkurs Sek. II.

Präsentationsarbeiten — Was ist das ?

In der Präsentationsarbeit gestaltet der/die Schüler/in selbständig, nicht alleingelassen, eine Unterrichtseinheit. Er hält dabei nicht einfach ein klassisches Referat, sondern kreiert seinen eigenen Unterricht, mit Aufgaben für die Mitschüler, und vor allem einer alternativen, u.U. multimedialen Gestaltung.

Der Lehrer steht während des gesamten Entwicklungsprozesses der Präsentationsarbeit den Schülern/innen zur Seite, falls diese Unterstützung verlangen, hat allerdings keinerlei unmittelbaren Einfluss auf die Gestaltung der Lerneinheit.

Die Präsentationsarbeit ist also ungleich dem klassischen Referat. In einer Präsentationsarbeit erarbeitet sich der Schüler zu einem Thema genügend Sachkompetenz, um eine reguläre Unterrichtseinheit in der Klasse zu übernehmen. Die in Präsentationseinheiten behandelten Inhalte gehen, ebenso wie ªLehrerstunden´, mit in die Klausuren der Klasse ein.

Ein Modell — kein Rezept!

Auf dem 2. SchülerInnenforum der SchülerInnenkammer Hamburg wurde ein Modell für Präsentationsarbeiten von Schülern entwickelt. Wichtig ist hierbei vor allem, dass Präsentationsarbeiten ein Beteiligungsmodell darstellen, das auf den jeweiligen Kurs zugeschnitten werden kann. Gleichzeitig setzt es aber auch voraus, dass ein Wille zur eigenen Gestaltung und Weiterentwicklung des Modells vorhanden ist. Es versteht sich als Anregung und Grundlage.

Das Modell ist in sechs Grundschritte unterteilt:

1. Schüler erhalten durch die Lehrer didaktisch-methodische Grundlagen

2. Themenwahl aus einem Themenpool

3. Materialbeschaffung und Konzeption der Lerneinheit

4. inhaltliche Arbeit des Schülers

5. Präsentation im Rahmen einer Unterrichtseinheit

6. Feedback durch Kurs und Lehrer

 

Mitbestimmung der Schüler
führt zu einem besserem Unterricht — Ein Beispiel

Ausgangslage

Der Leistungskurs Deutsch S1 des Heisenberg-Gymnasiums hat sein erstes Thema ªKommunikation´ beendet. In dem Kurs und bei der Lehrkraft herrscht Unzufriedenheit über das Gelernte und besonders über den Unterrichtsablauf. Schüler und Lehrer würden sich im Unterricht und in den Diskussionen gegenseitig wiederholen, man würde inhaltlich nicht vorankommen. Bei den Schülern besteht der Eindruck, man müsse ªirgend etwas sagen´ um auf eine zufriedenstellende Note in der heißgeliebten ªmündlichen Kursarbeit´ zu kommen. Den Kursteilnehmer/inne/n ist nicht deutlich, was sie in der Lerneinheit gelernt haben.

Einführung in Beteiligung

Die Einführung in die Gestaltung des Unterrichts durch die Schüler geschieht nach und nach durch Referate. Diese Referate haben allerdings von Beginn an gesteigerte Ansprüche, wie das freie Sprechen, das Einleiten einer Klassendiskussion, das gemeinsame Erarbeiten und die mediale Darstellung des Themas, also allesamt Anforderungen, die auch in Präsentationsarbeiten gestellt werden. Diese Gestaltung steigert sich von Referat zu Referat.

Schüler machen Unterricht

Im nächsten Schritt übernehmen die Schüler komplette Einzelthemen. Dabei gibt es einen Themenpool mit klar umrissenen zu bearbeitenden Themen für Präsentationen von Einzelpersonen und einen Katalog zur Unterrichtsvorbereitung durch die Schüler. Teilweise wird der Unterricht anhand dieses Kataloges von der Lehrerin geleitet, teilweise übernehmen aber auch Gruppen von Schülern die Leitung in der Klasse.

Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses neue Unterrichtsprinzip zu einer ungemein effizienten Arbeit geführt hat, von der andere Kurse nur träumen können und gleichzeitig hat sich bei den Schülern ein besonders großes Verständnis für die inhaltlichen Themen entwickelt.

Die Mitgestaltung von Schülern im Unterricht führte in diesem Kurs weg von den Schülerstatements à la ªwas will der Lehrer wissen´.

Beim Feedback sind sich der Kurs und die Lehrerin einig über weitere Vorteile eines Modells, wie dem der Präsentationsarbeiten. Eckpunkte hierbei sind nach Meinung der Schüler:

• ªnicht für den Lehrer, sondern für den Kurs zu arbeiten´,

• ªes liegt daran, etwas den Mitschülern zu verdeutlichen´,

• ªjeder muss besser zuhören´, tut dieses aber auch, da ªsowohl das Vortragen, als auch das Lernen Spaß macht´,

• und es ist eigentlich jedem möglich sein Thema spannend zu präsentieren, da ªder ganze Kurs mit jedem Referat mehr und mehr das Präsentieren gelernt hat´.

Fazit

Unterrichtsgestaltung durch Schüler ist kein beispielloser Wunschtraum. Die Einführung einer ªUnterrichtsgestaltung durch Schüler´ verbessert den Unterricht stetig. Präsentationsarbeiten fördern und fordern das selbständige Arbeiten und vor allem das Präsentieren, das Zusammenarbeiten, das miteinander Reden, aber auch die Moderation. Dies bringt die Lehrerin des Kurses auf den Punkt: ªIch habe es nicht in der Schule gelernt, frei sprechend einen größeren Zusammenhang darzustellen. Dies zu schaffen ist eine große Leistung.´

Bei Interesse an weiteren Informationen wenden Sie sich bitte an die SchülerInnenkammer Hamburg.

Manuel Sarrazin,
SchülerInnenkammer Hamburg,
Brucknerstr. 1,
22083 Hamburg

(aus: Hamburg macht Schule 3/2000)

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