Feedback und Mitgestaltung


Feedbackprojekt der SchülerInnenkammer mit der GEW

»Bewertung des Unterrichts und der Lehrerinnen und Lehrer durch die Schülerinnen und Schüler« hieß eine der Forderungen auf dem ersten SchülerInnenforum vom Mai ´99, mit der rund einhundert Schulsprecherinnen und Schulsprecher deutlich machten, dass guter Unterricht nur zustande kommen kann, wenn Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Kriterien für den Unterricht festlegen. Wenn Schülerinnen und Schüler also auch mitbestimmen können, wie der Unterricht abläuft.

Schülerinnen und Schüler müssen es zur Zeit meistens hinnehmen, dass ihre eigenen Wünsche und Ansprüche an interessanten ansprechend gestalteten Unterricht nicht ernst genommen werden. Oft gibt es nicht einmal Raum und Zeit, derartige Wünsche zu äußern. Dies führt unweigerlich zur Resignation der Schülerinnen und Schüler – nach dem Motto: Ändern kann man ja eh nichts, wozu sich also weiter einbringen.

Viele Schülerinnen und Schüler haben Angst, am Unterricht zu nörgeln. Sie befürchten dadurch schlechter benotet zu werden.

Doch genau so viel Angst haben anscheinend die Lehrerinnen und Lehrer vor der Beurteilung durch ihre Schülerinnen und Schüler. Das mag zunächst paradox klingen – haben doch gerade Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Beruf wie in kaum einem anderen mit Beurteilungen zu tun. Doch trotzdem existieren Ängste, wenn es um die Bewertung der eigenen Person geht. Das mag von daher verständlich sein, dass Lehrerinnen und Lehrer über bestimmte Privilegien verfügen, die etwas, was auf dem normalen Arbeitsmarkt selbstverständlich ist, bisher ausschlossen: die Bewertung der eigenen Arbeit, der Vergleich mit anderen.

Daher gilt es, die Ängste der Lehrerinnen und Lehrer zunächst einmal zu akzeptieren, um sie dann abzubauen. Denn dass derartige Furcht unnötig ist, zeigt die Praxis. Schülerinnen und Schüler, deren Lehrerinnen ein Feedback zulassen oder sogar erwünschen, bringen sich interessierter und engagierter in den Unterricht ein, wenn sie merken, dass sie ernst genommen werden. Den Lehrerinnen und Lehrern bietet sich hierbei die Chance, in Erfahrung zu bringen, wie ihr Unterricht auf die Schülerinnen und Schüler wirkt. Außerdem können sie ihr Verständnis für die Wertmaßstäbe von Schülerinnen und Schülern erweitern. Lehrerinnen und Lehrer, die Feedback zulassen, gelten bei ihren Schülerinnen und Schülern als starke Persönlichkeiten, unabhängig davon, ob diese sie nun mögen oder nicht. Die durch den gemeinsamen Dialog entstehenden und spürbaren Erfolge führen zu einem angenehmeren Lernklima und bewirken gleichzeitig das Entstehen einer Vertrauensbasis.

Auf beiden Seiten – sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrerinnen und Lehrern – gibt es großes Interesse, der Forderung nach Beurteilung der Lehrerinnen und Lehrer durch die Schülerinnen und Schüler nachzukommen. So entstand aus der Forderung des ersten SchülerInnenforums ein gemeinsames Projekt der SchülerInnenkammer Hamburg und der GEW Hamburg. Wissenschaftlich begleitet von den Erziehungswissenschaftlern Johannes Bastian und Arno Combe soll nun an vier Schulen ein Pilotprojekt gestartet werden, das sich zum Ziel gesetzt hat, Möglichkeiten des Schüler/innen-Feedbacks zu erarbeiten. Gerade von Seiten der Schülerinnen und Schüler war das Interesse, an diesem Projekt teilzunehmen, sehr groß. Bereits in diesem Schuljahr soll das Schüler/innen-Feedback an den beteiligten Schulen in die erste Runde gehen.

Bei dem Projekt geht es allerdings nicht darum, die Rollen im Klassenzimmer einfach zu tauschen und den Lehrer/inne/n Noten zu vergeben, sondern darum, gemeinsam Verfahren und Methoden für Unterrichtsentwicklung und -evaluation zu entwickeln. Dies trägt in hohem Maße zur Demokratisierung von Schule bei. Wir hoffen, dass wir damit eine Feedbackkultur ins Rollen bringen, die nach und nach zu einer Selbstverständlichkeit im Klassenzimmer wird.

Julia Liedtke, Vorstand der
SchülerInnenkammer Hamburg,
Brucknerstr. 1, 22083 Hamburg


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