Feedback und Mitgestaltung


Wie Feedback von Schülerinnen und Schülern nicht sein sollte

Während Schüler/innen-Feedback von Schülerinnen und Schülern als Chance erkannt wird, sehen Lehrerinnen und Lehrer darin nicht selten Risiken. Deshalb soll hier verdeutlicht werden, wie Schüler/innen-Feedback — gerade aus Sicht der Schülerinnen und Schüler — nicht sein darf.

Schüler/innen-Feedback darf nicht nur verdeckt sein.

Schon jetzt geben Schülerinnen und Schüler jeden Tag ein Feedback darüber, wie der Unterricht bei ihnen "angekommen" ist. Ihre Emotionen äußern sie spontan. Für die Lehrerinnen und Lehrer ist es daher nur schwer möglich, in der Vielzahl von Gefühlsausdrücken, die den Unterricht betreffen, diejenigen wahrzunehmen, die eine konstruktive Kritik beinhalten. Noch schwieriger ist es aber, aus Kritik nun Konsequenzen für die Gestaltung des Unterrichtes zu ziehen. Das bisherige Verfahren des verdeckten Feedbacks ist erfahrungsgemäß für beide Seiten gleichermaßen frustrierend.

Das verdeckte Feedback muss in einen strukturierten Kommunikationsprozess überführt werden, der den beteiligten Partnern nicht zur gegenseitigen Frustration, sondern zur Klärung und gemeinsamen Planung dient.

Schüler/innen-Feedback darf nicht zu aufwendig sein.

Lehrerinnen und Lehrer leiden zum Teil unter hohen zeitlichen Belastungen. Selbstkritischen Lehrern, die Interesse an einer Verbesserung ihres Unterrichts haben, erscheint Schüler/ innen-Feedback manchmal nur als zusätzliche Belastung. Dabei ist es ein großer Irrtum, dass für ein Feedback immer ein aufwendiges Verfahren (wie zum Beispiel ein detaillierter Fragebogen) nötig ist. Schließlich ist das Ziel des Feedbacks nicht die Anhäufung statistischen Materials, sondern die Anregung eines Dialogs.

Schüler/innen- Feedback muss mit einfachen Methoden erfolgen, die leicht anzuwenden und auszuwerten sind. Nur so wird garantiert, dass ein Feedback auch unter Regie von Schülerinnen und Schülern gegeben werden kann.

Schüler/innen-Feedback darf nicht erzwungen werden.

Jedes Feedback ist nutzlos, wenn es auf taube Ohren stößt. Es ist um so wirkungsvoller, je mehr Interesse die Betroffenen an ihrer Zusammenarbeit haben. Sollte eine behördliche Anordnung erfolgen, können damit verständlicherweise nur Trotzreaktionen provoziert werden. Auf keinen Fall darf daher angeordnet werden, dass Schüler/innen-Feedbacks verbindlich durchzuführen seien.

Vielmehr sollte der Feedback-Prozess aus dem gemeinsamen Wunsch entstehen, den Unterricht zu verbessern.

Schüler/innen-Feedback darf nicht unfair sein.

Das Kind soll nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden — bei aller Kritik an Methoden und Inhalten des Unterrichts darf die Lehrerin oder der Lehrer als Person nicht beleidigt oder verletzt werden.

Schüler/innen-Feedback darf nicht missverstanden werden als Gelegenheit, "den Lehrern mal so richtig eine reinzuwürgen".

Von Lehrerinnen und Lehrern verlangt das Schüler/innen-Feedback ein gutes Selbstwertgefühl, denn es ist klar, dass neben den vielen positiven Merkmalen des Unterrichts auch negative Merkmale zur Sprache gebracht werden. Umso mehr Einfühlungsvermögen verlangt dies von Schülerinnen und Schülern.

Schüler/innen-Feedback darf nicht "bestraft" werden.

Wer ein schlechtes Feedback erhalten hat, dem gehört nicht gleich der Kopf abgeschlagen. Dieses kostbare Körperteil sollte fest verankert auf seinen Schultern sitzen, um neue Unterrichtskonzepte zu ersinnen.

Wenn Schüler/innen-Feedback zum Anlass autoritärer Sanktionen gegen Lehrerinnen und Lehrer wird, erschwert dies den Dialog unter den Beteiligten. Außer Zwist lässt sich auf dem Wege der Sanktionierung nichts gewinnen.

Das Hauptaugenmerk jeder Schule muss daher darauf gerichtet sein, ein Klima zu schaffen, in dem aus dem Dialog über den Unterricht eine Verbesserung erfolgen kann.

Schüler/innen-Feedback darf nicht zu
diskriminierenden Rankings führen.

Lehrerkollegien sind meist in viele kleinere Grüppchen und Fraktionen zersplittert, die einander zum Teil alles andere als "grü" sind. Aus Sicht der Schülerinnen und Schüler ist dies bedauerlich, denn so wird fächerübergreifende Kooperation erschwert. In den Kollegien darf nicht noch ein handfestes Element der Konkurrenz eingeführt werden, bei dem um die Gunst der Schülerinnen und Schüler gebuhlt wird.

Schüler/innen-Feedback richtet sich ausschließlich an den betroffenen Lehrer. In seiner Verantwortung liegt der Umgang mit dem Ergebnis des Feedbacks.

Niklas Marwedel,
SchülerInnenkammer Hamburg,
Brucknerstr. 1,
22083 Hamburg


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